Das Ursprungsskript
- erstes Kapitel -

 


ich bin wach, ich bin wach! Ruhe! Bloß den Wecker ausmachen.

Alles, was du weißt ist, wenn du aufwachst, wirst du darum betteln, wieder zu träumen.

// Frank Spilker, CD: Die Sterne: Posen; Track 4: Zucker

Wo ist denn der blöde Knopf? Na endlich. Mann. Nicht schon wieder. Warum immer ich?

in meinem Blut strömt der ozean. wilde wasser spülen die gefühlr in jedes organ. aus meinen augen fließt der regen bewässert meinen boden macht mich frei für neues leben. jeder neue tag ist ein neues leben, das so schnell vergeht und doch immer wiederkehrt ich hab die ganze welt in mir zu erleben sie ist ein teil von mir und ich bin ein teil von ihr. in meinem herzern, soll die sonne scheinen, erleuchjten meine fragen erhelln die schattenseiten. in meiner lunge weht der wind der ewigkeit. was ist schon zeit wenn du begreifst in jedem augenblick steckt freiheit. jeder atemzug ist ein ganzes leben das so schnell vergeht und doch immer wiederkehrt ich hab die ganze welt in mir zu erleben sie ist ein teil von mir und ich bin ein teil von ihr.

// Aus: sven homes: Art explosion: CD: NRW 110: neue Welt

Nur noch ein Stündchen schlafen...

Ich könnte heute mal krankfeiern. Am besten gleich die ganze Woche. Aber das würde mir ja eh keiner glauben. Gestern war ich ja noch kerngesund. Ich könnte ab morgen krankfeiern, wenn ich heute schon ein bisschen eine Grippe vortäusche.

Heute muß ich auf jeden Fall zur Arbeit. Liegt ja noch genug von gestern auf meinem Tisch.

Er hat immer Hunger / er muß immer essen /Er muß wohnen und schlafen / und vergessen / das Gestern wie Heute wird / Heute wie Morgen / und das in diesem Laden herzlich wenigpassiert / er drängelt sich in Bahnen und schubst sich aus dem Haus / in die Gegend wo man ihn erwartet / und verbraucht / er kennt sich schon lange und kann sich nicht mehr sehen / dabei gibt es wirklich tausend schöne Filme über ihn / als den Universal Tellerwäscher / in den Studios / Er wäscht wirklich Teller / er tut nicht so / Ich hatte Haben / Ich hatte Geld gespart / Ich lief durch die Phasen / war im Apparat / In diesem und jenem / um nicht alle zu nennen / Ich lief auf der Stelle und / fing an zu rennen / nichts hat geholfen / wieder alles verspielt / die Tage sehen gleich aus / es sind zuviel / Jeder Tag ist ein Verfahren gegen mich / Ich weiß nicht warum und wer / sich was davon verspricht / Ich möchte einen Anwalt / Ich will Geld / und ich möchte Gottverdammtnochmal das jemand sein Versprechen hält / Universal Tellerwäscher...

// Frank Spilker; CD:Die Sterne: Unter Geiern: Universal Tellerwäscher

Also mit einem Ruck raus aus dem Bett.

Das war definitiv zu schnell. Der Kreislauf ist noch nicht da. Wenn das Schwindelgefühl verschwindet, kann ich aufstehen.

Ich bin ganz klar ein Morgenmuffel. Aber wie kann man bloß kurz nach dem Aufstehen schon topfit sein? Wenn ich erst mal geduscht habe und meine erste Tasse Kaffee getrunken, wird 's schon irgendwie wieder geh'n.

ich bin ein ganz normaler tag, ich bin so wie ein leeres blatt / und nichts hat sich erledigt / alles liegt genau so da, wie es gestern abend war / einem trümmerhaufen ähnlich / es betrifft mich keine schuld, ich bin genausoviel geduld, / wie wenig. / ich bin erbarmungslose uhr, ich geh nicht nach, noch geh ich vor, / sag jetzt bloß nichts ich versteh nichts. / du fragst dich: / war die hoffnung blind, die nur den morgen, nicht das grauen sah? / mein liebes kind, / ich bin die bühne nur und nicht das drama, / ich bin nicht wirklich die gefahr.

// Frank Spilker: CD:Die Sterne: Von allen Gedanken schätze ich doch am meisten die Interessanten: ganz normaler Tag.

Erstmal die Kaffeemaschine anstellen.

Den Filter von gestern rausholen, die Kaffeekanne umspülen und bis zum Strich mit der vier mit Wasser füllen. In die Maschine gießen. Neue Filter stehen im Regal bei der Tütensuppe.

Mist. Immer, wenn ich einen Filter aus der Schachtel ziehe, fällt ein zweiter auf den Boden. Jedes mal.Das ist aber auch mal wieder typisch, daß mir das gleiche Mißgeschick immer wieder passiert. Ich hab weder Nerven noch Zeit, den überflüssigen Filter wieder zurück in die Schachtel zu friemeln. Also klemme ich ihn im regal zwischen Tütensuppen und Küchenrolle. Wenn ich mir das nächste mal eine Suppe koche, zieh ich den dann wieder mit raus und er landet erneut auf dem Boden. Ist das Pessimismus, wenn man so etwas denkt?

Den anderen Filter in die Maschine spannen, möglichst so, daß er nicht nach innen umklappt.

Die Kaffeedose steht auch im regal.

Der dünne Plastikdeckel hält den Kaffee bestimmt nicht sehr aromatisch, ist aber leicht zu öffnen.

Zwei gehäufte Teelöffel in den Filter der Kaffeemaschine. Die Kaffeedose ist schon wieder fast leer.

Mein Kaffeekonsum hat in der letzten Zeit auch wirklich ein wenig zugenommen.

Das ist wohl, weil ich mich immer so müde fühle.

Noch einen Löffel mehr, für den Geschmack und wegen dem Koffein.

Maschine zugeklappt und angeschaltet. Jetzt ins Badezimmer.

Die erste Überraschung des Tages vor dem Spiegel.

Ich seh gar nicht so scheiße aus, wie ich mich fühle.

Ränder unter den Augen gähne ich mich selber an. Ich muß noch ein wenig wacher werden, sonst halte ich nicht einmal die ersten zwei Stunden dieses Tages aus. Also unter die Dusche.

Ich hätte so gerne lauwarmes Wasser, das eher zum Kalten hin tendiert, aber es gibt nur zwei Temperaturen bei dieser Dusche: zu kalt und zu warm.

Ich drehe an den Armaturen rum. manchmal wird es wieder erträglicher.

Ein Lied kommt mir in den Sinn.

singing in the rain. i'm singing in the rain. just singing in the rain. what a wonderful feeling, i'm happy again.

Jetzt, nach den Wiederbelebungsversuchen für meinen Kreislauf, erstmal Shampoo in die Haare, einmassieren und auswaschen. Duschgel auf den Rest des Körpers. Wieder abwaschen.

Noch etwas unter dem Wasserstrahl stehenbleiben.

I'm singing, I'm singing in the rain.

Leben heißt: Sich ohne Ende wandeln. Wer am alten hängt, der wird nicht alt. So entschloß ich mich, sofort zu handeln, Und das Wasser schien mir nicht mehr kalt. Meine Arme dehnten sich zu breiten Flossen, Grüne Schuppen wuchsen auf mir ohne Hast; Als das Wasser mir auch noch den Mund verschlossen, War dem neuen Element ich angepaßt. Lasse mich durch dunkle Tiefen träge gleiten, Und ich spüre nichts von Wellen oder Wind, Aber ich fürchte jetzt die Trockenheiten, Und das einst das Wasser wiederum verrinnt.

// Aus: Gunter Kunert : Wie ich ein Fisch wurde

Jetzt ne Tasse Kaffee, das wär klasse.

So, als ob der Kaffee nicht auf mich warten würde stell ich das Wasser ab und zieh den Duschvorhang beiseite. Das Handtuch hängt am Heizkörper.

Aber gerade nah genug, daß man nicht aus der dusche heraustreten muß, um es mit der Hand zu erreichen.

Schnell abtrocknen und aus der Dusche raus. Die nassen Haare tropfen noch auf den Boden.

Die werden auch abgetrocknet.

In der Küche fängt die Kaffeemaschine schon an, das letzte Wasser in sich hineinzuschlürfen und dampfend auf das Kaffeepulver zu gießen.

Hoffentlich ist der Filter nicht umgeknickt.

Der Badezimmerspiegel ist beschlagen.

Ich wische ein Sichtloch frei und gehe einmal kurz mit dem Kamm durch die noch nassen Haare und danach sofort in die Küche.

Ich hab' Glück, offensichtlich ist der Kaffeefilter nicht umgeknickt.

Eigentlich könnte man sich jetzt so ein richtiges Klischeefrühstück zaubern.

Brötchen vom Bäcker holen, ein Ei kochen...

Auf ein Ei hab ich schon gar keinen Hunger.

Der Bäcker hat noch zu. Der macht erst um achtuhrdreißig auf.

Also besser zwei Scheiben Brot toasten, Marmelade drauf und fertig.

Die Blumen aum Fenster sehen auch aus, als wollten sie mal wieder Wasser haben.

Mit dem Gedanken, daß die Küche ein wenig Grün vertragen könnte, hab ich die damals bei Plus gekauft.

Ich hab gar keine Gießkanne. Dann gieß ich die Blumen gleich mit der Kaffeekanne, wenn die leer ist. Improvisation ist alles.

Inzwischen ist auch der Toast fertig. Eigentlich die Toaste. Oder die Toasts? Was ist denn der Plural von Toast? Egal, die beiden Toastbrotscheiben sind fertig und werden kalt, wenn ich über sie nachdenke, statt sie zu essen.